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Ein Mann nimmt den Duft einer frisch geschälten Zitrusfrucht wahr.
Manchmal merken wir erst im Alltag, wie viel ein Duft ausmacht. Bild: KI-generiert

Geruchssinn

Geruchsverlust: Wenn vertraute Düfte fehlen

Wenn Düfte fehlen und Essen langweilig schmeckt: mögliche Ursachen und die Rolle der Nase beim Genießen.

In diesem Beitrag

Du beißt in eine Orange. Sie ist saftig, süß und ein bisschen sauer – trotzdem fehlt etwas. Dieses unverwechselbare Orangenaroma, das sonst sofort da ist, bleibt aus. Vielleicht fällt dir die Veränderung auch beim Kochen auf oder an deinem Lieblingsparfum. Ein verminderter Geruchssinn macht sich oft in solchen gewöhnlichen Momenten bemerkbar, lange bevor man ein medizinisches Wort dafür kennt.

Wer weniger riecht, hat eine Hyposmie; ein vollständiger Geruchsverlust heißt Anosmie. Hinter beidem können verschiedene Ursachen stehen. Zu den häufigen gehören Infekte, Allergien, Nasennebenhöhlenentzündungen und Nasenpolypen. Das erklärt, warum „Ich rieche kaum noch etwas“ zwar ein wichtiger Hinweis ist, aber noch keine Antwort darauf, was helfen kann. [1] [2]

Warum plötzlich auch das Essen langweilig schmeckt

Die Nase sitzt gewissermaßen mit am Tisch. Beim Kauen werden Aromastoffe frei, die aus dem Mundraum über den Rachen zur Nase gelangen. Es gibt also zwei Wege zum Riechen: von vorn durch die Nasenlöcher und von hinten beim Essen. Fällt dieser zweite Anteil weg, kann ein vertrautes Gericht erstaunlich eintönig wirken. Die Zunge erkennt vielleicht noch süß oder salzig, aber das typische Aroma fehlt. [1]

Das macht die Orange zu einem guten Beispiel: Süße und Säure sind nur ein Teil ihres Geschmacks. Was sie unverwechselbar macht, kommt auch über den Geruchssinn. Deshalb kann hinter dem Eindruck „Ich schmecke nichts mehr“ tatsächlich ein Riechproblem stecken. Das US-Forschungsinstitut NIDCD beschreibt, dass manche Menschen erst bei der Untersuchung erfahren, welcher Sinn betroffen ist. [1]

Zwei Hände halten eine dampfende Tasse Kaffee am Fenster.
Vertraute Düfte begleiten viele unserer täglichen Rituale. Bild: KI-generiert

Auch weniger und anders zu riechen sind zwei verschiedene Erfahrungen. Wenn dir der Kaffeeduft schwach vorkommt, ist etwas anderes passiert, als wenn derselbe Kaffee plötzlich abstoßend riecht. Eine solche Verzerrung nennt man Parosmie. Die folgende Übersicht hilft dir, die Begriffe auseinanderzuhalten; sie sagt für sich genommen noch nichts über die Ursache aus. [1]

Vier Begriffe: Hyposmie bedeutet schwächeres Riechen, Anosmie fehlende Geruchswahrnehmung, Parosmie veränderte Geruchswahrnehmung und Phantosmie einen Geruch ohne vorhandene Quelle.
Die Duftspuren veranschaulichen unterschiedliche Wahrnehmungen. Eine Begriffshilfe, kein Selbsttest. Nach NIDCD / NIH [1]. Illustration: KI-generiert. Grafik vergrößern.

Liegt es nur an einer verstopften Nase?

Bei einer Erkältung ist der Zusammenhang leicht vorstellbar: Eine verstopfte Nase kann verhindern, dass Duftstoffe die Riechsinneszellen gut erreichen. Riechstörungen lassen sich aber nicht immer dadurch erklären. Auch nach einem Infekt können Veränderungen bestehen bleiben. Daneben kommen beispielsweise Allergien, Polypen, bestimmte Medikamente oder eine Kopfverletzung als Ursache infrage. Eine frei wirkende Nase schließt ein Riechproblem deshalb nicht aus. [1] [2]

Hilfreich ist, dich an den Beginn zu erinnern: War das Riechen von einem Tag auf den anderen verändert oder wurde es allmählich schwächer? Gab es davor einen Infekt? Hast du gleichzeitig andere Beschwerden bemerkt? Wenn die Veränderung nach einigen Wochen nicht verschwunden ist, vereinbare einen ärztlichen Termin. Sprich auch eine vorausgegangene Verletzung oder Medikamentenänderung an; Medikamente solltest du nicht selbstständig absetzen. In der HNO-Praxis können eine Untersuchung und ein angeleiteter Riechtest helfen, die Ursache einzugrenzen. [2] [1]

Ein Riechtest ist dabei mehr als die Frage, ob du an einem Fläschchen etwas bemerkst. Je nach Verfahren wird beispielsweise geprüft, wie schwach ein Duft noch wahrnehmbar ist oder ob du ihn benennen kannst. So wird aus dem allgemeinen Gefühl „Meine Nase ist nicht wie früher“ eine genauere Einschätzung. [1]

Was du im Alltag tun kannst

Wenn das Riechen verändert ist, kann es helfen, deiner Umgebung an einem konkreten Beispiel zu erklären, was fehlt. „Die Orange schmeckt süß, aber ihr typisches Aroma fehlt“ ist anschaulicher als „Ich schmecke nichts“. Auch bei einem gemeinsamen Essen müssen andere nicht dieselbe Wahrnehmung haben, um zu verstehen, weshalb ein vertrautes Gericht für dich gerade anders ist. Wenn Düfte vor allem fremd oder unangenehm wirken, findest du im Beitrag über Parosmie mehr dazu.

Denke außerdem an Situationen, in denen deine Nase bisher nebenbei aufgepasst hat: Rauch, austretendes Gas oder verdorbene Lebensmittel können dir entgehen. Verlasse dich hier nicht auf einen unauffälligen Geruch als Entwarnung. Und wenn Essen kaum noch Freude macht oder dir die Veränderung im Alltag stark zusetzt, gehört auch das ins Gespräch in der Praxis. Der Geruchssinn ist schließlich nicht nur dafür da, Gefahren zu erkennen – er macht vieles von dem aus, was wir genießen. [2] [1]

Quellen & weiterführende Literatur

  1. NIDCD / NIH: Smell Disorders: Smell DisordersPatienteninformation des US-Forschungsinstituts. Institutionelle Patienteninformation.
  2. NHS: Lost or changed sense of smell: Lost or changed sense of smellPatienteninformation. Institutionelle Patienteninformation.

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