Der Infekt ist vorbei, du gehst wieder einkaufen und triffst Freunde. Nur etwas fehlt noch: Das Duschgel riecht kaum, beim Kochen bleibt der vertraute Duft aus und dein Lieblingsessen wirkt merkwürdig flach. Gerade weil der Alltag sonst weitergeht, kann das frustrierend sein. Vielleicht hörst du von jemandem, bei dem die Nase nach wenigen Tagen wieder normal war – und fragst dich, warum es bei dir länger dauert.
Ein veränderter Geruchssinn kann sich innerhalb von Wochen oder Monaten erholen; bei manchen Menschen bleiben Beschwerden länger bestehen. Eine feste Frist lässt sich für dich daraus nicht ableiten. Wenn du nach einigen Wochen weiterhin weniger oder anders riechst, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. [1]
Wenn die Nase wieder etwas meldet, aber es seltsam riecht
Geruchsverlust bedeutet nicht immer, dass überhaupt nichts ankommt. Vielleicht nimmst du manche Düfte wahr, andere kaum. Oder ein bekannter Geruch wirkt plötzlich fremd: Kaffee riecht unangenehm, obwohl die Person neben dir nichts Ungewöhnliches bemerkt. Für diese veränderte Wahrnehmung gibt es einen Begriff, Parosmie. Sie kann nach einem Virusinfekt auftreten und unterscheidet sich vom bloßen Weniger-Riechen. [2] [3]

Das kann besonders irritieren, wenn du auf die Rückkehr vertrauter Düfte wartest. Endlich wieder etwas zu bemerken und diesen Eindruck zugleich unangenehm zu finden, passt nicht zur Vorstellung einer geraden Linie zurück zum früheren Geruchssinn. Aus einem einzelnen solchen Moment lässt sich aber weder ein sicherer Fortschritt noch eine persönliche Erholungsfrist ablesen. Wenn das dein Hauptproblem ist, erklärt unser Beitrag über Parosmie genauer, was Forschende am Beispiel Kaffee herausgefunden haben. [4]
Was die Forschung über Riechtraining nach Corona berichtet
Seit der Pandemie beschäftigt sich auch die Forschung intensiv mit anhaltenden Riechstörungen nach COVID-19. Ein untersuchter Ansatz ist Riechtraining: Dabei wird wiederholt an ausgewählten Düften gerochen. Die Methode war schon zuvor Gegenstand von Studien zu Riechstörungen nach anderen Infekten. Eine solche ältere Untersuchung beschreiben wir im Forschungsbeitrag zur Studie von Damm und Kollegen. [5] [6]
Eine Forschungsübersicht von Juni 2026 ergänzt dieses Bild: Sie fasste zehn kontrollierte Studien mit insgesamt 628 Teilnehmenden nach COVID-19 zusammen. Bei den objektiven Riechtests zeigte die gemeinsame Auswertung von sieben dieser Studien einen kleinen, statistisch gesicherten Vorteil für das Training. Das ist ein ermutigender Befund. Die Autoren weisen zugleich auf unterschiedliche Trainingsabläufe und Schwächen mehrerer Studien hin. [6]
Dabei lohnt es sich, auf die Art des Ergebnisses zu achten: Eine durchschnittliche Verbesserung von Testwerten ist etwas anderes als der Anteil vollständig erholter Menschen. Auch die einzelnen Untersuchungen liefern nicht alle dasselbe Bild. Die gemeinsame Auswertung hilft, diese Unterschiede zu betrachten, ohne aus einer einzigen Studie eine Antwort für sämtliche Verläufe abzuleiten. [6] [7]
Was im Alltag leicht übersehen wird
Wenn dein Umfeld wieder zur Tagesordnung übergeht, kann es schwerfallen, eine unsichtbare Veränderung zu erklären. Dabei geht es vielleicht gar nicht um den Duft einer einzelnen Blume. Es fehlt das Aroma beim Essen, das vertraute Parfum eines Menschen oder die Freude daran, ein Lieblingsgericht zuzubereiten. Solche Beispiele machen verständlich, warum das Riechen auch nach dem Ende des Infekts noch ein Thema sein kann.
Für ein Gespräch darüber reichen einzelne, konkrete Beobachtungen. „Beim Schälen die Zitrusfrucht bemerkt“ sagt mehr als „ein bisschen besser“. Auch ein unangenehm veränderter Duft darf vorkommen. Wenn du dir etwas aufschreibst, wähle Situationen, die dir ohnehin begegnet sind – beim Frühstück, beim Kochen oder draußen. So bleibt die Notiz nah an deinem Alltag.
Sprich in der Praxis auch an, wenn sich dein Essverhalten verändert oder dir die Situation stark zusetzt. Und denke daran, dass Rauch, Gas oder verdorbene Lebensmittel bei eingeschränktem Riechen unbemerkt bleiben können. Eine Riechstörung betrifft deshalb nicht nur einzelne Duftmomente, sondern auch Genuss und Sicherheit im Alltag. Mehr über die verschiedenen Formen und mögliche Ursachen erfährst du im Überblick zu Geruchsverlust und vermindertem Geruchssinn. [2] [1]
Quellen & weiterführende Literatur
- NHS: Lost or changed sense of smell: Lost or changed sense of smellPatienteninformation. Institutionelle Patienteninformation.
- NIDCD / NIH: Smell Disorders: Smell DisordersPatienteninformation des US-Forschungsinstituts. Institutionelle Patienteninformation.
- Parker, Kelly & Gane (2022): Insights into the molecular triggers of parosmia based on gas chromatography olfactometryCommunications Medicine 2, 58 · DOI 10.1038/s43856-022-00112-9. Experimentelle Untersuchung von Geruchsauslösern.
- Cleveland Clinic: Parosmia: Parosmia (Distorted Smell): Causes, Symptoms & TreatmentMedizinisch geprüfte Patienteninformation, aktualisiert 09.08.2022. Institutionelle Patienteninformation.
- Damm et al. (2014): Olfactory training is helpful in postinfectious olfactory loss: a randomized, controlled, multicenter studyThe Laryngoscope 124(4), 826–831 · DOI 10.1002/lary.24340. Randomisierte multizentrische Studie.
- Albazee et al. (2026): Olfactory Training for COVID-19-Related Olfactory Dysfunction: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled TrialsTurkish Archives of Otorhinolaryngology 64(2), 94–104; 29. Juni 2026 · DOI 10.4274/tao.2026.2026-3-27. Systematische Übersicht und Metaanalyse randomisierter Studien.
- Mogensen et al. (2025): Effect of Olfactory Training in COVID-19 Related Olfactory Dysfunction—A Placebo-Controlled TrialThe Laryngoscope 135(12), 4849–4857; online 15. Mai 2025 · DOI 10.1002/lary.32275. Randomisierte placebokontrollierte Studie.


